ST. NICOLAI IN LEMGO...



...ist das
 "T in die neue Woche"

das ich diesmal an Novas schönes Projekt schicke.
Schaut dort mal rein, es gibt eine Menge interessante Tore, Türen und andere Eingänge zu bestaunen!



Der Namenspatron der  Hallenkirche ist der heilige Nikolaus, Schutzpatron der Seefahrer und Fernkaufleute. In einer Hansestadt wie Lemgo war es üblich, dass die erste Kirche diesem Heiligen geweiht wurde. 

Der Baubeginn ist wahrscheinlich zwischen 1200 und 1220 erfolgt. Zunächst als romanische Kirche mit einer Bauzeit von 50 Jahren. Auf Wunsch der Bürger wurde dann nach 30 Jahren Bauruhe mit dem Bau im Stil der Gotik fortgefahren, wobei die alten Seitenschiffe abgerissen wurden und durch höhere und breitere ersetzt wurden.
So entstand eine sogenannte Hallenkirche an der 100 Jahre gebaut wurde.
Der Chor sollte eigentlich noch größer werden, aber im Jahr 1375 setzte eine Pestepidemie der Bautätigkeit ein Ende. 
Die Inneneinrichtung der Kirche stammt überwiegend aus dem 16. Jahrhundert. Seit 1527 feiert die Gemeinde lutherischen Gottesdienst.


 Die Kirche ist von zwei Türmen flankiert, aber nur der Südturm ist Eigentum der Kirche. In diesem Turm hängen die wohlklingenden Bronzeglocken.
Der Nordturm ist Eigentum der Stadt; bis 1854 hielten die Wächter von dort Ausschau. Seit 1936 ertönt alle zwei Stunden das Glockenspiel, das auch von einem Spieltisch im Ballhaus bedient werden kann.

Im Jahr 1533 nahm Lemgo die Reformation an und blieb lutherisch, als Graf Simon VI im Jahr 1605 calvinistisch wurde und dies auch von seinen Landeskindern so erwartete. Aus Verärgerung über die widerspenstigen Lemgoer verlegten die Grafen ihren Regierungssitz von Lemgo nach Detmold. 




Der Innenraum der Kirche hat sich im Lauf der Jahrhunderte fast nicht geändert. Glücklicherweise gab es nie Kriegszerstörungen oder andere schwere Schäden. Damit finden wir eine Kirche vor, die ungefähr so, wie wir sie heute sehen, Menschen seit 800 Jahren in ihren Mauern versammelt.

Viele Kunstwerke sind später gekommen, meist im 16. und 17. Jahrhundert in der Zeit der Weserrenaissance. 
Die ältesten Einrichtungsgegenstände noch aus der Erbauungszeit sind die beiden Altäre, der Marienaltar kurz vor der Orgel und direkt gegenüber eine Christophorusfigur oben an einer Säule. Außerdem sind aus der frühgotischen Zeit hinten rechts an der Taufkapelle noch sogenannte Fresken erhalten, Bilder, die direkt auf den noch feuchten Putz gemalt wurden und sich bis heute in kräftigen Farben zeigen.
Man muss sich klar machen, was für eine Besonderheit das ist: einen Raum des 12. Jahrhunderts zu betreten, der bis heute als Ort für Gottesdienste und Konzerte genutzt wird. Und wenn die Glocken des kirchlichen Turms läuten, hört man sogar, wie das Mittelalter geklungen hat.






 So sind nur wenige Kunstwerke aus der vorreformatorischen Zeit erhalten: Über dem Kerzentisch ist ein Altarretabel aus dem Jahr 1280 ins Mauerwerk eingefügt.
Das große Kruzifix am Eingang des Chores stammt aus vorreformatorischer Zeit. Und wer die Christophorusfigur am Pfeiler gegenüber vom Nordportal, etwa aus dem Jahr 1300, ansah und sich dabei bekreuzigte, war für den betreffenden Tag gesegnet.

Der Lemgoer Bildschnitzer Herman Vos schuf den Hochaltar im Jahr 1643. Er gehörte im dreißigjährigen Krieg zu einer Gruppe von Wächtern auf einem Turm an der Stadtmauer. Alle diese Wächter waren eingeschlafen, was einem Trupp Schweden das Eindringen in die Stadt ermöglichte, die gründlich geplündert wurde. Nach dem Abzug der Schweden sollten die Wächter bestraft werden, aber Herman Vos war es gelungen, zu entkommen. Einige Jahre später wollte er sein Vaterhaus in Lemgo wieder erhalten, er richtete ein Gesuch an den Rat der Stadt, bat um Gnade und bot an, zur Sühne kostenlos einen Altar für die SanktNicolaikirche zu schnitzen. Auf dieses Angebot ging der Rat der Stadt ein. Die zu diesem Altar gehörenden Bilder malte Berent Woltemate. 
Zentral ist das typisch evangelische Abendmahlsbild. Jesus und die Jünger sitzen zu Tisch. Auf dem Tisch liegen Brot und Wein bereit. Martin Luther hatte sich dafür eingesetzt, dass das Abendmahl stiftungsgemäß mit Brot und Wein gefeiert werden soll. Die sogenannten Einsetzungsworte zum Abendmahl sind als Text unter dem Abendmahlsbild zu lesen: „Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht da er verraten ward …“ Diese Einsetzungsworte werden in jedem Abendmahlsgottesdienst gesprochen.
Hochaltar, Taufkapelle und Kanzel gehören inhaltlich zusammen. Sie zeigen, was wesentlich für den evangelisch-lutherischen Gottesdienst ist: Die Gemeinde als Gemeinschaft der Getauften, die auf die Predigt hört und Abendmahl feiert.

Die drei Fenster im Chor stellen Szenen aus der Offenbarung des Johannes dar. 


 Die Kanzel entstand um 1600 und der reich dekorierte Kanzeldeckel etwa um 1630. 


Die Orgel wurde im Jahr 1968 von der Firma Gustav Steinmann in Vlotho erbaut; auf drei Manualen können insgesamt 40 Register zum Erklingen gebracht werden. Außerdem steht im Altarraum ein Orgelpositiv. Unter der Orgel hängt an der Wand ein Gedenkstein von Carolin Engels, der an den Japanforscher Engelbert Kaempfer erinnert, welcher im Gemeindehaus neben der Kirche geboren und in der Nähe dieses Gedenksteins in der Kirche bestattet wurde. Ein weiterer Gedenkstein, der sich an der Säule im Nordwesten befindet und 1999 von Dorsten Diekmann aus Lemgo geschaffen wurde, erinnert an Andreas Koch, der von 1647 bis 1665 Pfarrer an St. Nicolai war. Im 17. Jahrhundert wurden in Lemgo 209 Frauen und Männer der Hexerei bezichtigt und ermordet. Andreas Koch setzte sich für die von der Hexenverfolgung in Lemgo Betroffenen ein, wurde selbst angeklagt und verurteilt, aber nicht wie üblich verbrannt, sondern zum Tod durch das Schwert begnadigt. 

In der Zeit der Reformation kamen auch Bilderstürmer in die St.-NicolaiKirche und schlugen vom Sakramentshaus die Figuren ab; nur der Pelikan an der Spitze entging ihrem Wüten. Auch der Frauenfigur über dem Kerzentisch wurden die Gegenstände aus den Händen geschlagen.

 Auch die Fresken an der Ost- und an der Südwand etwa aus dem Jahr 1380 sind geblieben: An der Ostwand links Jakobus der Ältere und Johannes, rechts Paulus und Petrus. Die „+“-Zeichen in den Kreisen sind die Weihekreuze. An der Südwand stehen Jakobus und Johannes, Bartholomäus und Thomas.









Der größte Teil der Fenster wurde in den Jahren 1922 bis 1924 vom Künstler Franz Lauterbach aus Hannover im späten Jugendstil gefertigt.

Das Fenster in der Mitte der Südseite wurde 1965 von Erhard Klonk aus Marburg geschaffen. Es zeigt neben Aposteln und Propheten eine Reihe von Szenen, die zum Themenkreis „Opfer“ gehören.

 Die Fenstergruppe auf der Westseite von Paul Weigmann aus Leverkusen, die 1992 entstand, symbolisiert in den unteren sechs Fenstern die Unordnung der geschaffenen Welt durch verdrehte Quadrate; in den drei oberen Fenstern, die der geistigen Welt zuzuordnen sind, herrscht Ordnung, wie die gerade stehenden Quadrate zeigen. 




Das älteste Fenster unserer Kirche wurde 1863 aus Resten früherer Fenster zusammengesetzt, es zeigt die Wappen mit Namen von Stiftern. 


  Das Epitaph für den Rittmeister Moritz von Donop aus dem Jahr 1587 stammt ebenfalls von Georg Crosman. Die Darstellung geht auf einen Holzschnitt von Lukas Cranach d.Ä. zurück: Ein Baum, dessen Äste links abgestorben und rechts begrünt sind, teilt das Bild in zwei Hälften; im linken Teil steht Moses mit der Schlange auf dem Kreuz (4. Mose, 21) und im rechten Teil beten der Verstorbene und seine Ehefrau Christina unter dem gekreuzigten Christus in Jerusalem. Der Papagei, Symbol der Maria, auf der abgestorbenen Seite des Baumes soll andeuten, dass die Familie von Donop lutherisch ist und sich nicht mehr im Gebet an Maria wendet. Der Aufsatz zeigt das Jüngste Gericht.


Das Epitaph für Raban von Kerssenbrock († 1615) und seine Frau Elisabeth von Donop († 1611) neben der Südtür wurde 1617 in einer Magdeburger Werkstatt gefertigt. Das große Mittelfeld nimmt ein figurenreicher Kalvarienberg ein. Auf beiden Seiten sind Familienbildnisse der Kerssenbrocks angebracht. Oben ist die Auferstehung Christi abgebildet. Von ursprünglich drei Figuren sind nur Caritas und Fides (Glaube und Liebe) erhalten, die einst rechts stehende Spes (Hoffnung) ist verloren.



Also linked to:
My Sunday Photo, Inspired Sunday, Through my lens und Life thru the Lens,

Euch einen schönen Sonntag!







Kommentare

  1. Liebe Martina,
    Danke für die vielen wissenswerten Informationen und die herrlichen Fotos, speziell die Detailbilder sind Klasse!
    Liebe Grüße
    moni

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  2. Servus Martina,
    da hast du dir "mächtig" Arbeit gemacht - interessant die Geschichte zu dieser Kirche. Stadt- und Kirchturm neben einander ist auch selten.
    Schönen Gruß,
    Luis

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  3. A wonderful church, the windows are heavenly!

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  4. Wow, was für ein informativer und gut bebilderter Bericht über diese imposante Kirche! Ganz toll!

    Einen schönen Sonntg noch
    Gruß Dieter

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  5. Such a beautiful church and your post is quite informative with the history. It must be wonderful to live surrounded by the beauty of old buildings.

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  6. Fantastic photo. Very beautiful church.
    Great interior.
      I am delighted. I can not take my eyes off this excellent architecture.
    The perfect relationship. Thank you very much, that I could see it.
    Happy week.
    Lucja

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  7. thank you for this interesting report. This church contains great treasures.

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  8. Danke für Deine ausführliche Führung. Für eine evang,lutherische Kirchen hat sie ein wunderschönes Innenleben. Sie sind ja sonst eher schlichter. Was für eine Geschichte rankt sich um die Kirche, danke für das Recherchieren, Du hast Dir viel Arbeit gemacht.
    Die alten Wandmalereine finde ich interessant. Auch Cranach ist dort vertreten, ein großer Künstler.
    Ich wünsche Dir eine schöne Woche, herzlichst Klärchen

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  9. Das wollte ich auch schreiben, für eine evangelische Kirche ist sie schon sehr gut ausgestattet. Aber das kann ja sein, dass sie zuerst eine kath. Kirche war. Da kommt sowas vor.
    Gottseidank haben sie damals nicht jede Kirche so ausgeräumt.

    Danke für deinen interessanten Bericht.

    Lieben Gruß Eva

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  10. Also eigentlich reicht für diesen Post mit den tollen Bildern und der vielen Info nur ein Wort:

    "Wahnsinn"

    aber natürlich im Sinne von wahnsinnig schön. Ich bin absolut begeistert davon. Was für ein Prachtbau und es freut mich sowas von das Kriege und Co nichts zerstört haben. Man muss sich mal all die Jahreszahlen wirklich verdeutlichen. Heute noch geht man dort wo unsere Vorfahren gegangen sind, wo Pest, Krieg und Armut die Menschen haben verzweifeln lassen. Genau an den Stellen wo du gestanden bist standen vielleicht auch hohe Herren. Bin echt hin und weg, auch von der "Traufanlage". Wie prachtvoll, und da getauft zu werden fände ich etwas ganz besonderes.

    Danke dir vielmals für die viele Mühe die du dir gemacht hast, also die viele Info und dazu noch so tolle Bilder. Für mich war es ein besinnlicher Rundgang am Morgen.

    Ein tolles T, und so toll soll dann die Woche auch weitergehen, gell. Wünsche dir jedenfalls einen superschönen Wochenstart und sende ganz herzliche Grüsse

    N☼va

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  11. What a superb church so much detail and history to it

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